Wenn Eltville im kalten Norden liegt

Timo Brunke begeisterte die Fünftklässler mit seinen Sprachspielen / „10 Minuten Dings“ gibt zahlreiche Anregungen für kreativen Umgang mit Sprache.

„Ich will mit euch spielen!“ So unkonventionell hat ein Autor wohl noch nie eine Lesung am Gymnasium Eltville begonnen. Doch bei Timo Brunke läuft alles ein wenig anders ab, als es die Schüler im Normalfall von einem Autorenbesuch kennen. Der gut gelaunte Schwabe präsentiert der vollständig versammelten Jahrgangsstufe fünf nämlich einige Sprachspiele aus dem „10 Minuten Dings“, die für erkennbar gute Laune unter den Schülern sorgen. Beispiele gefällig? Der Leser stelle sich vor, dass er die eigene Stadt auf den Kopf stellen kann. Beim „Ortstausch“ wird aus dem im klimatisch begünstigten Rheingau gelegenen Eltville eine Stadt, die in den kalten Norden verfrachtet wird. Ausgestattet mit einem Notizheft, lassen die Schüler nun ihrer Phantasie freien Lauf. Da ist Eltville plötzlich im ewigen Eis beheimatet. Dementsprechend wird die Schule in Iglubauweise errichtet, und es ist ein halbes Jahr lang dunkel. Dass man dort auch Ski fahren kann, versteht sich von selbst.

 

Phantasie beweisen können die Schüler auch beim Spiel vom „feuchten, fröhlichen, flutschigen Frosch“. Darin geht es darum, Wörter zu finden, die sich am Anfang auf ein Dingwort wie „Mütze“ oder „Äste“ reimen. Kaum hat Brunke die Devise ausgegeben, kreative Reime zu finden, legen die Schüler auch schon begeistert los. Anstatt der acht Fünftklässler, die Brunke zum Vortrag ihrer Ideen ursprünglich auf die Bühne hatte holen wollen, strömen über zwanzig nach vorne. Da ist die Rede vom „bunten, besessenen, blöden Baum“ sowie vom „lustigen, leuchtenden, lebendigen Lamm“. Brunke ist sichtlich angetan. Später wird er im kleinen Kreis berichten, dass auch seine Besuche an Wiesbadener Schulen ein voller Erfolg gewesen seien. Das glaubt man dem eloquenten Stuttgarter allerdings ohne Weiteres. Schließlich legen leuchtende Kinderaugen und eine lange Warteschlange anlässlich des Signierens von Autogrammen beredt Zeugnis davon ab, dass der Auftakt des von Sabine Stemmler organisierten Rheingauer Lesefests am Gymnasium Eltville ein voller Erfolg gewesen ist.  

 

Lothar Wiesemann (Text)

Lilli Ringsdorf (Fotos)

 

 

05.09.2013